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Tagebuch Garde 1

Das Fabrikschiff "Junge Garde", 141 Meter lang. Vor der ostkanadischen Halbinsel Labrador wäre es im eisigen Nordweststurm beinahe gesunken. Eiserne Nerven in großer Gefahr: Willi Rügheimer Ingenieur auf der "Jungen Garde" Während die Menschen in den Städten und Dörfern an der Ostseeküste sich auf den nahen Frühling freuten, kämpfte in den Eisfeldern vor der kanadischen Halbinsel Labrador das Transport- und Verarbeitungsschiff "Junge Garde" um Leben und Tod. Dieses Fabrikschiff, 141 Meter lang, Aktionsweite 34000 Seemeilen (63000 Kilometer), 5000 PS Antriebsleistung, 176 Männer und Frauen Besatzung, war eine Weltneuheit in der Hochseefischerei. Gemeinsam mit Spezial-Trawlern sollte es im Flottillenverband auf den Weltmeeren die Fischproduktion der DDR steigern und auch wirtschaftlicher machen, denn die Subventionen fraßen Jahr für Jahr ein Milliardenloch in die Staatskasse. Die "Junge Garde", gemeinsam mit der Schwester "Junge Welt" 1967 in Dienst gestellt, stand am 8. März 1968 auf Position 55 Grad 55'N und 57 Grad 36'W bei Labrador zwischen Hudsonbai und Sakt-Lorenz-Golf. Es war ihre dritte Fangreise. Vom Eis umklammert - WassereinbruchAm Abend des 8. März peitschte ein eisiger Nordwest mit Windstärken von 8 bis 9 die See auf - und da passierte es: Bei der Fangübergabe geriet der Steertstander in den Propeller. Alle Versuche, der "Spezis", der Begleitboote, die "Junge Garde" von den Eisfeldern freizuhalten, mißlangen. Das 56 Millionen Mark teure Fabrikschiff wurde vom Packeis umklammert. Am Morgen drückte das Eis die Bordwand ein. Wassereinbruch im Maschinenraum, die gesamte Energieversorgung fiel aus. Kein Licht, keine Wärme, draußen Sturm und eisige Kälte - minus 20 Grad. Kapitän Werner Niedermeier und seine Besatzung behielten die Nerven. Während die Frauen in der Mannschaftsmesse eilig aus Persenning zusätzlich Lecksegel nähten, versuchte Ingenieur Willi Rügheimer in der Finsternis, den Notdiesel zu starten. Das gelang - endlich wieder Strom und Licht. Inzwischen waren dem Havaristen zwölf Schiffe zu Hilfe geeilt. Aber in der Nacht schloß das Eis auch das Schwesterschiff "Junge Welt" und einen Trawler ein. Glück für alle: Am Morgen des 10. März driftete der starke Nordwestwind die Schollen auseinander. Die "Junge Garde" wurde in Schlepp genommen, die anderen kamen aus eigener Kraft frei. Doch der Kampf um das Schiff war noch nicht gewonnen. 300 Meilen vor der kanadischen Küste geriet der Schleppzug in einen Orkan. Mehrmals brachen die 62 Millimeter starken Stahlguß-Ankerketten der "Jungen Garde", die als Schleppleinen dienten - aber die wendigen Trawler stellten die Verbindung immer wieder her und verhinderten ein neues Abtreiben des Havaristen ins Eis. Glücklich erreichten sie St. Johns auf Neufundland zur Notreparatur. Hochseefischerei - überall in der Welt ein Kampf mit den Urgewalten der Natur. Gefährlich, kräftezehrend - Knochenarbeit. Für den Verbraucher daheim, der sich seinen Fisch schmecken läßt, kaum vorstellbar. Während der Freiwache war es möglich, sich individuell zu beschäftigen. Zweimal in der Woche gab es sogar Kino. Der Zwei-Wachen-Betrieb in der Produktion war dennoch sehr anstrengend für das Verarbeitungspersonal. Im Rhythmus 12 Stunden Arbeit, 12 Stunden frei ging es, nur durch eine Essenspause unterbrochen, rund um die Uhr. Tagaus und tagein. Werktags wie sonn- und feiertags ... Zur Besatzung gehörten nun zum erstenmal auch Frauen. Sowohl als Stewardessen wie an den Packtischen im Verarbeitungsdeck bewährten sie sich und fanden Achtung und Respekt ihrer männlichen Kollegen, die der eintönigen und ungeliebten Packerei gern aus dem Wege gingen." 90 Tage dauerte in der Regel der Einsatz auf See. Und alle waren froh, wenn das Schiff schneller geladen war und der Heimathafen Rostock-Marienehe angelaufen werden konnte. Wenn ein solches Fabrikschiff 1500 Tonnen zu Filets verarbeiteten Fisch an Bord hatte, war das ein Wert von über einer Million Mark.


http://www.rostocker-hochseefischerei.de/geschichte/berichte/680308_kroeger_guenther.php